Stell dir vor, du wärst ein Land

Köln. – Im ICE von Berlin nach Köln blättere ich im jetzt-Magazin der Süddeutschen. Den sehr überdenkenswerten Artikel von Miriam Meckel lese ich gleich mehrfach: “Stell dir vor, du wärst ein Land. Würdest du gern in dieses Land einreisen? Wäre es ein Land, so, wie du es magst, oder so, wie die anderen es sich vorstellen?…” oder “Was, wenn es nur so aussieht, als wäre ich da?” Am besten, ihr lest selbst: “Bring die Zeit zum Stillstand!”

Danach Kontrastprogramm. Heute geht’s wieder beruflich in Sachen Marketing rund. Driven by Design 2011 in Köln – meine Agentur timtomtext ist Sponsor und für den Nachbericht zuständig. Neben “Waffeln am Stiel” (!) gibt’s viel Berichtenswertes – auch hier spielt (s. u.) die Vorstellung, ein Land zu sein, eine Rolle… Bevor ich jetzt aber dasselbe noch einmal in neuen Worten sage, lasse ich lieber direkt den offiziellen Nachbericht – leicht gekürzt – sprechen. Interessant für alle Unternehmer, die immer mal wissen wollten, was Design alles kann:

„Designer? Die machen ein paar Striche und verlangen dafür 2.000 Euro.“ Bewusst provokant stand es während der Key Note beim Symposium „Driven by Design“ in großen Lettern an der Präsentationswand. Dass dem nicht so ist, machte der Münchener Markenentwickler und Design-Manager Tobias Glaser in seinem Impulsvortrag dann aber mehr als deutlich. Wer Designleistungen aufs Gestalten reduziere, verkenne die enormen Potenziale, die z. B. ihre Implementierung in unternehmerische Entwicklungsprozesse oder in die Markenprofilierung bietet.

Das Netzwerk KölnDesign hat mit dem erstmals in dieser Form durchgeführten Symposium in den Räumen der IHK Köln das Bewusstsein dafür auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen schärfen können. „Mit den insgesamt 120 teilnehmenden Unternehmern und Designern war das Symposium mehr als ausgebucht“, fasst Vorstandsmitglied Stephanie Podobinski zusammen. „Die Workshop-Räume platzten zum Teil aus allen Nähten. Schön war, dass wir signifikant mehr Unternehmer gewinnen konnten als bei der Vorgängerveranstaltung ‚Unternehmertag’ – das zeigt, dass wir mit der Neukonzeption den richtigen Nerv getroffen haben.“

Insbesondere die Strategie-Themen stießen auf großes Interesse. Die Referenten zeigten dabei u. a. auf, wie Design den Positionierungsprozess erfolgreich macht oder wie es bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen einfach und effektiv helfen kann. Konzeptdesigner Holger Nils Pohl und Marken- und Innovationsberater Peter Schreck stellten vor, wie kleine und mittelständische Unternehmen Open Innovation und Crowdsourcing Strategien optimal nutzen können. So lassen sich z. B. Diskussionen mit „Visual Recording“ optisch festhalten und als Basis für weiteres Handeln einsetzen. Auch zur Bewusstmachung des unternehmerischen Status Quo dient Design: Mit „Eigenland“ – einer Landkarte der eigenen Firma – erhalten Unternehmen eine individuelle Abbildung von Markt, Identität, Leistung, Organisation, Kommunikation und Profil. Über die Entwicklung und Kommunikation einer solchen Eigenmarke informierte Marcus Wertz, Senior Consultant bei der Agentur Meiré und Meiré in seinem Vortrag über das Zusammenspiel von äußerer Ästhetik und inhaltlicher Substanz. Designer begleiten Unternehmen auch bei der grundlegenden Gestaltung und Markteinführung völlig neuartiger Produkte oder Dienstleistungen. Ganzheitliches Produktdesign beinhaltet in diesem Sinne auch die Entwicklung konsistenter Szenarios auf potenziellen Märkten und schafft damit die Grundlage für strategische Entscheidungen während des Prozesses.